Pressemitteilung der SPD-Kreistagsfraktion: Lösungen für Kinder- und Geburtshilfe müssen medizinisch tragfähig und langfristig sein

09. Juli 2026

Die Diskussion um die Schließung der Kinderstation am Klinikum Ansbach beschäftigt die Menschen in der Region seit Wochen. Auch wenn hierzu bereits zahlreiche Stellungnahmen veröffentlicht wurden, sieht die SPD-Kreistagsfraktion weiteren Klärungsbedarf.

„Uns geht es ausdrücklich nicht darum, die Debatte weiter anzuheizen“, betont die Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Petra Hinkl. „Unsere Aufgabe ist es vielmehr, gemeinsam tragfähige Lösungen für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der Region zu entwickeln. Gerade deshalb müssen alle vorgeschlagenen Konzepte daraufhin geprüft werden, ob sie tatsächlich umsetzbar, praktikabel und medizinisch sinnvoll sind.“

Im Vorfeld der Beratungen im Verwaltungsrat hat Verwaltungsrätin Michaela Ebner zahlreiche Gespräche mit Pädiatern und weiteren medizinischen Fachleuten geführt. Ziel war es, deren fachliche Einschätzungen in die politische Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.

„Für uns ist entscheidend, auf die Expertise derjenigen zu hören, die täglich in der medizinischen Versorgung tätig sind“, erklärt Ebner. „Es zählt nicht, wer am Ende Recht behält. Entscheidend ist, gemeinsam Lösungen zu finden, die nicht nur im ersten Moment überzeugend klingen, sondern dauerhaft funktionieren und medizinisch verantwortbar sind.“

Nach Einschätzung der befragten Mediziner erscheint derzeit allenfalls ein telemedizinisches Angebot als sinnvolle Ergänzung einer regulären Versorgung realistisch. Eine eigenständige kinderärztliche Bereitschaftspraxis wird angesichts des Mangels an Kinderärztinnen und Kinderärzten hingegen überwiegend als kaum umsetzbar bewertet. Zudem liegt die ambulante Bereitschaftsversorgung in der Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Vor diesem Hintergrund fordert die SPD-Kreistagsfraktion mehr Transparenz über den bisherigen Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung.

„Wir möchten wissen, welche Gespräche bislang tatsächlich geführt wurden, welche konkreten Modelle mit der Kassenärztlichen Vereinigung besprochen wurden und welche Ergebnisse diese Gespräche erbracht haben“, so Ebner. „Nur wenn diese Informationen auf dem Tisch liegen, können wir die vorgeschlagenen Konzepte seriös bewerten.“ Besonders kritisch bewertet die SPD-Kreistagsfraktion die Auswirkungen auf die Geburtshilfe am Klinikum Ansbach. Mit der Schließung der Kinderstation verliert die Geburtshilfe nach Angaben von ANregiomed ihre ständige kinderärztliche Verfügbarkeit und damit den Perinatalen Schwerpunkt. Künftig können dort demnach nur noch Geburten ab der 37. Schwangerschaftswoche betreut werden. Frauen zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche müssten auf andere Kliniken ausweichen, die eine kinderärztliche Versorgung rund um die Uhr gewährleisten können.

„In unseren Gesprächen mit erfahrenen Pädiatern wurde sehr deutlich, dass sich die Versorgung von Früh- und Neugeborenen nicht durch telemedizinische Lösungen ersetzen lässt“, erklärt Ebner. „Die Ärzte haben uns übereinstimmend geschildert, dass ein Neugeborenes unmittelbar untersucht werden muss. Atmung, Kreislauf und Allgemeinzustand lassen sich nicht ausschließlich aus der Ferne beurteilen. Deshalb brauchen wir auch für diesen Bereich tragfähige Lösungen.“

Nach Auffassung der SPD-Kreistagsfraktion sollten deshalb alle Möglichkeiten geprüft werden, die neonatologische Versorgung am Klinikum Ansbach zu stärken. Denkbar seien beispielsweise Kooperationen mit benachbarten Kliniken oder andere Modelle der personellen Zusammenarbeit – etwa zeitlich befristete Einsätze von Kinderärzten anderer Standorte –, sofern diese medizinisch sinnvoll und organisatorisch umsetzbar sind.

„Eine starke Geburtshilfe braucht eine starke Neonatologie“, betont Fraktionsvorsitzende Petra Hinkl. „Für werdende Eltern ist das Vertrauen entscheidend, dass auch im Fall einer unerwarteten Frühgeburt oder von Komplikationen die bestmögliche Versorgung unmittelbar vor Ort gewährleistet ist. Nur wenn dieses Vertrauen besteht, werden sich Familien auch künftig bewusst für das Klinikum Ansbach entscheiden.“

Abschließend macht die SPD-Kreistagsfraktion deutlich, dass sie die weiteren Beratungen im Verwaltungsrat konstruktiv begleiten wird.

„Unser Ziel ist es nicht, einzelne Vorschläge vorschnell zu bewerten oder zu kritisieren“, so Ebner. „Wir wollen gemeinsam Lösungen entwickeln, die medizinisch fundiert, dauerhaft tragfähig und für die Menschen in unserer Region verlässlich sind. Dafür braucht es Offenheit, Transparenz und die Bereitschaft, auch neue Wege zu gehen.“

Hinkl ergänzt: „Gerade bei der Gesundheitsversorgung dürfen kurzfristige Lösungen nicht der Maßstab sein. Es geht um die langfristige Sicherung einer qualitativ hochwertigen Kinder- und Geburtshilfe für unsere Region. Diesem Anspruch fühlen wir uns verpflichtet.“

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